Ehemaligenverein des Städtischen Gymnasiums Steinheim


Zwei Fliegen mit einer Klappe

Mobiles Blockheizkraftwerk versorgt im Sommer das Freibad und im Winter das Gymnasium

Steinheim. „Mein Büro ist sonst immer eher kühl gehalten, aber eben war es so heiß darin, dass ich erst einmal die Fenster öffnen musste", sagte Hermann Brak, Schulleiter des Städtischen Gymnasiums Steinheim schmunzelnd. Grund für die ungewöhnliche Hitze in seinem Büro: Das moderne Blockheizkraftwerk, das ab sofort seine Schule mit Energie und Wärme versorgt.

„Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe", erklärte Steinheims Bürgermeister Joachim Franzke, „denn der große Vorteil ist, dass wir das Blockheizkraftwerk an zwei Standorten einsetzen können." Von Mai bis September versorgt das Blockheizkraftwerk das Freibad, und von Oktober bis April das Gymnasium - es spart also eine Menge Energie und es soll sich schon in drei bis vier Jahren amortisiert haben. Die Stadt Steinheim investierte dafür 132.000 Euro, die sich auf die beiden Standorte verteilen. „Mit diesem Projekt betreiben wir den Einstieg in den Energy-Award", sagt Bürgermeister Joachim Franzke. Der European Energy Award - frei übersetzt: der Europäische Energie-Preis - ist ein Programm zur Zertifizierung von Städten und Gemeinden. Steinheim ist nach Brakel und Borgentreich die dritte Kommune im Kreis Höxter, die sich am European Energy Award beteiligt. „Wir wollen die Energieeinsparung weiter optimieren", verspricht der Bürgermeister. Da spielt das Blockheizkraftwerk, das gestern offiziell vorgestellt wurde, eine große Rolle.

In einem Blockheizkraftwerk (BHKW) werden gleichzeitig Wärme und Strom - also Kraft -erzeugt. Ein Erdgasmotor treibt einen Generator an. Die Wärme, die im Kühlwasser und in den Abgasen des Motors enthalten ist, wird genutzt, um die Räume des Städtischen Gymnasiums zu heizen. „Das funktioniert wie über den Kühler beim Auto", erklärt Norbert Tille, Fachingenieur für Heizung, Lüftung und Sanitär. Diese Abwärme, die beim Stromerzeugungsprozess in herkömmlichen Kraftwerken ungenutzt verpufft, macht das Blockheizkraftwerk so wertvoll. So wird auch die CO2- Emissionen, die bei der Energieumwandlung entstehen, um bis zu 30 Prozent reduziert. Ein Blockheizkraftwerk macht allerdings nur Sinn, wenn Strom und Wärme gleichzeitig gebraucht werden und das BHKW nah am Endverbrauche platziert ist.

Das BHKW ist mobil. „Morgens bauen wir es am Freibad ab, und abends steht es schon am Gymnasium. Das geht über die flexiblen Anschlüsse innerhalb eines Tages", erklärt Wilhelm Schrenner von der Stadt Steinheim, der versichert, dass das mobile Kraftwerk sicher „gegen Vandalismus" angebracht ist. Das BHKW produziert Strom und Wärme. Was zuviel produziert wird, wird ins Netz eingespeist. „Zurzeit heizen wir alle Räume des Gymnasiums nur über das Blockheizkraftwerk", sagt Martin Hartmann von der Stadtverwaltung.

 Fünf, die sich für Energieeinsparung stark machen: Steinheims Bürgermeister Joachim Franzke, Herman Brak, Rektor des Gymnasiums, Martin Hartmann und Wilhelm Schrenner (Stadtverwaltung) sowie Norbert Tille, Fachingenieur für Heizung, Lüftung und Sanitär, im neuen Blockheizkraftwerk am Gymnasium. FOTO: DIETER MÜLLER